Kopenhagen, 1965, Universitätsviertel. Ein schöner Platz mit einem großen Brunnen in der Mitte. Erstmals begegne ich hier diesen jungen Leuten, die als Gammler herumlungern. Hier treffe ich auch diese beiden Mädchen in ihren zerschlissenen Klamotten, beide jung, sehr jung, Zigarette rauchend.
Hier an dem Brunnen nahe der Universität ist der Treffpunkt der Gammler. Besondere Kennzeichen: jung, langhaarig, ungepflegt, gleichgültig gegenüber der Umwelt. Und sie laufen in verschlissenen, beschmierten und beschrifteten Klamotten herum. Weitere Kennzeichen: sie haben sich dem aktiven Nichtstun verschrieben.
„Gammeln“ – d. h. „langsam tätig sein“. Mitte der Sechziger entsteht diese Bewegung als Protest gegen das bürgerliche Leben, ein Protest gegen die Elterngeneration. Es geht das geflügelte Wort um: „Arbeiten? Seh’n wir so aus?“
Die Gammlerbewegung schwappt auch nach Deutschland über, sehr zum Leidwesen des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard: "Solange ich regiere, werde ich alles tun, um dieses Unwesen zu zerstören".

Foto und Text: Hubertus Hierl