München, September 1963. Unterwegs auf der Wiesn, dem Oktoberfest, dem weltgrößten Volksfest. Mit dabei meine Leica mit mehreren Objektiven, um Momente einzufangen, wie es sie nur hier gibt. So führt mich der Weg zu „Wiesn-Institutionen“ wie dem „Schichtl“ und ich halte das makabre Schauspiel „Der Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels einer Guillotine“ für immer auf Film fest. So schaue ich natürlich auch beim Vogel-Jakob vorbei, auch bei Schlangenbeschwörern und einer ganzen Reihe von Schaustellern, von denen es heute viele auf der Wiesn nicht mehr gibt. Und dann beobachte ich die Menschen und halte Ausschau nach Motiven.
Beim Kettenkarussell fallen mir diese beiden jungen Leute auf, die sich fröhlich und ausgelassen im Kreis treiben lassen. Sie fassen einander mit den Händen, ziehen sich zueinander und lassen dann wieder mit Schwung und in voller Aktion voneinander los. Der Spaß und das Glücksgefühl, das sie bei dieser rasanten Fahrt empfinden, ist ihnen anzusehen.
Dass die beiden ein ordentliches Bild ergeben könnten, ist mir ist mir gleich klar, auch wie ich sie im Bild festhalten möchte: Auf keinen Fall will ich sie mit einer kurzen Belichtungszeit gleichsam „einfrieren“. Tempo und Bewegung und Aktion will ich auf dem Bild herüberbringen und wähle fast automatisch eine relativ lange Belichtungszeit – etwa 1/30 Sekunde – wobei ich beim Auslösen meine Kamera mitziehe, so dass die beiden an mir vorbeifliegenden jungen Leute scharf auf dem Bild erscheinen, der Hintergrund sich jedoch verwischt abbildet. Mehrere Fotos entstehen, ausgewählt habe ich dieses, weil es die ganze Frische und Ungezwungenheit dieser beiden Jugendlichen zeigt.
47 Jahre sind seit der Entstehung des Bildes vergangen. Die beiden jungen Leute befinden sich heute bereits im Rentenalter – C’est la vie.

Foto und Text: Hubertus Hierl