Pressekonferenz mit Martin Walser, dem jungen Martin Walser, vor einer Lesung in der legendären ATLANTIS-Buchhandlung in Regensburg – es gibt die Buchhandlung noch heute. Fred Strohmaier, der Inhaber, hat mich zu dem Termin eingeladen. Mit meiner Leica bin ich dabei. Die Signatur in Walsers Buch Ein Flugzeug über dem Haus belegt es: Wir schreiben den 12. November 1963.
Martin Walser – damals gerade mal 36 Jahre alt, jugendliches Aussehen, macht einen eher schüchternen Eindruck, starker Raucher, die Literatur sein Zuhause.
Martin Walser – damals schon berühmter Suhrkamp-Autor: 1960 erscheint sein schwergewichtiger Roman Halbzeit, 1961 Der Abstecher, 1962 Eiche und Angora. Martin Walser – damals schon mit Preisen überhäuft: 1955 Preis der Gruppe 47, 1957 Hermann Hesse-Preis, 1962 Gerhart Hauptmann-Preis.
Als Fotograf bekommt man nicht viel mit, worüber gesprochen wird. Man ist zu sehr in die Arbeit vertieft. Jedoch erinnere ich mich noch gut an die erste tiefschürfende Frage, die die damalige Star-Journalistin der Mittelbayerischen Zeitung, Eva Röhrich (was ist nur aus ihr geworden?), an Walser stellt: „Womit schreiben Sie?“ Die Antwort kam auch prompt: „Mit einem Kugelschreiber.“ Ja, mit solch Fragen versuchte man sich damals einem Schriftsteller zu nähern. Heute stellt man Martin Walser ganz andere Fragen.

Foto und Text: Hubertus Hierl