Georg Stefan Troller: Filmemacher, Buchautor, Drehbuchautor, Regisseur. Amerikanischer Staatsbürger, wohnhaft in Paris und in der Welt zu Hause. Mit Preisen überhäuft – der Einzige, der drei Grimme-Preise auf einmal gewonnen hat
Begegnet bin ich Georg Stefan Troller vor einigen Jahren anlässlich eines Vortrages in München. Ich war frühzeitig im Saal, der Platz in der 1. Reihe neben Troller war nicht reserviert, also setzte ich mich dort gleich hin. Davor platzierte ich meine beiden Leicas, ich wusste, dass Troller auch diese Marke bevorzugte. Als er kam, fiel sein Blick gleich auf die beiden Kameras und so kamen wir ins Gespräch.
Die beiden Bilder im Hintergrund fallen mir auf: Das linke ist Kafka gewidmet, das rechte zeigt eine Abbildung der Thora. Zwischen Kafka (Troller: „Ich bin doch Kafka!“) und Thora wollte ich Troller haben, was würde ihn besser charakterisieren? Es ergab sich nach dem Vortrag nur ein kurzer Moment, wo alles stimmte und ich das Bild hatte, das ich haben wollte.
Als ich Troller kürzlich wieder in München traf und ihm das Bild zeigte, war er überrascht, schaute mich erst stumm an und meinte dann: „Ja, ja, das ist es.“
Trollers Vita – welch eine Odyssee! 1921 in Wien geboren, mit 17 Flucht vor den Naziverbrechern über Prag, Paris, Casablanca in die USA. 1943 amerikanischer Soldat. Nach dem Krieg wieder zurück in den USA, Studium der Anglistik in Los Angeles, anschließend Theaterwissenschaft in New York. 1949 Rückkehr nach Europa. Stipendium an der Sorbonne in Paris, gleichzeitig Rundfunkreporter für mehrere Sender.
Und dann – Anfang der Sechziger – schreibt Troller mit seinem „Pariser Journal“ Fernsehgeschichte und wird zur Kultfigur. Er hat sie alle vor Kamera und Mikrofon, all die Großen, aber auch die vielen Namenlosen und Sonderlinge bis hinab in die Pariser Unterwelt. Kritisch, aber auch sehr einfühlsam seine Methode der Interviewführung: „Zaghaft ansetzen, schlau einkreisen, zuletzt die Fragen ins Zentrum hineintreiben wie einen Nagel – das saß!“ (Troller)
Unvergesslich wie er Edith Piaf zeigt (Troller: „Wenn Sie nicht Sängerin wären, was möchten Sie sein?“ – Piaf: „Tot“). Unvergesslich wie er über Abbé Pierre berichtet, der sich für die Obdachlosen aufreibt, (Abbé Pierre: „Wenigstens einmal gab es in Frankreich ein Gewitter der Nächstenliebe.“). Unvergesslich auch sein Interview mit dem US-Dramatiker Arthur Miller, der kurze Zeit mit Marilyn Monroe verheiratet war (Troller: „Das Leben fraß ihn auf in seiner schönsten Form.“).
Troller war mit seiner Kamera an Weihnachten bei der Mitternachtsmette der Clochards unter einer Seinebrücke dabei, führte Interviews mit Charles Aznavour und Orson Welles – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Auffallend nur: Kaum Politiker sind darunter. Troller: „Politiker müssen qua Amt lügen.“
Er findet auch noch Zeit und reist um die Welt, um Filme über die Helden seiner Jugend zu machen wie Jack London, Arthur Rimbaud, Karl Kraus, Paul Gauguin.
Und dann folgen in den 70er Jahren seine „Personenbeschreibungen“. Troller dreht sie in aller Welt. Viele Außenseiter und Grenzgänger sind darunter. Es entstehen u.a. erschütternde Filme wie über den Vietnam-Krüppel „Ron Kovic“ oder „Mord aus Liebe“, ein Film über Menschen, die ihre Geliebten oder Ehepartner ermordeten – nichts für schwache Gemüter.
Was bringt die Zukunft? Ein Film in Wien steht an, seiner Geburtsstadt, ein weiterer in New York – und außerdem erscheint im kommenden Jahr wieder ein Buch von ihm. Dazu kann man nur sagen: Glückwunsch, Georg Stefan Troller!

Foto und Text: Hubertus Hierl