Im August 1966 bin ich als freier Fotograf unterwegs in Südfrankreich, um das für damalige Verhältnisse bunte und schrille Treiben der jungen Leute an der Cote d’ Azur im Bilde festzuhalten.
Es ist die Zeit des Kalten Krieges. Es gibt noch kein Farbfernsehen, keinen Personal-Computer. Die Beatles feiern immer größere Triumphe. Noch 3 Jahre bis Woodstock.
St. Tropez ist Anziehungspunkt vieler Menschen aus aller Welt. Früher, ein Lieblingsort der Maler, die das besondere Licht hier schätzten, heute steht St. Tropez für schöne Menschen, schöne Autos, schönes Leben. St. Tropez - die Wiege des Glamours made in France. Johnny Hallyday, Sylvi Vartan, Francoise Hardy stehen hier auf der Bühne. Hier trifft sich der internationale Jetset. Die Schönen und Reichen geben sich hier ein Stelldichein und genießen die Leichtigkeit des Seins. Brigitte Bardot ist hier zu Hause, Gunter Sachs hält hier Hof; beide schließen den Bund fürs Leben – freilich nur von kurzer Dauer.
So viel Glamour zieht auch viele junge Leute an, um ungezwungene Tage dort zu verbringen. Man übernachtet auf Campingplätzen oder schläft unter freiem Himmel. Am Hafen, dort wo die teuren Yachten anlegen, findet man sich spätnachmittags wieder ein, um zu sehen und gesehen zu werden.
Welch eine Bühne! Junge Künstler sind hier zu Werke – ihr exklusives Outfit kündigt die Flower-Power-Zeit bereits an. Jongleure und Artisten zeigen ihr Können und jedes Mittel ist recht, auf sich aufmerksam zu machen. Viele Musiker sind unter dem bunten Volk und hier begegne ich auch diesen jungen Leuten, die ich gleich im Bild festhalte: Gitarre spielend und singend ziehen sie an der Hafenmole entlang. Man gibt sich lässig. Das Mädchen links im Bild – ganz à la Brigitte Bardot, der junge Mann rechts auf dem Foto - ganz à la Gunter Sachs: weiße Jeans, gestreiftes, offenes Hemd, die Frisur ganz wie sein Idol.
Der Mythos von St. Tropez ist ungebrochen. 44 Jahre sind seit der Entstehung der Aufnahme vergangen. Die jungen Leute hier auf dem Bild befinden sich mittlerweile alle im Rentenalter.
– C’est la vie.

Foto und Text: Hubertus Hierl