Es gibt Bilder, die an Einfachheit, aber auch an Eindringlichkeit kaum übertroffen werden können. Dieses Bild hier gehört dazu.
Berlin 1967. Zeit des Kalten Krieges. Sechs Jahre zieht sich nun schon die Mauer durch Berlin, sechs Jahre Trennung von Familien, sechs Jahre Feindseligkeit.
Ich bin unterwegs entlang der Mauer, ein trostloses Bild reiht sich an das andere. Man trifft kaum Menschen. Die Geschäfte sind verschwunden. Das zugesperrte und mit Brettern vernagelte Wirtshaus Zum Alten Fritz erinnert an vergangene Zeiten.
Nahe dem Grenzübergang Check Point Charly dann dieses Bild: Ein schwarzer Trauerflor, befestigt an einen primitiven Holzpfahl. Ein Mahnmal. Ein Mahnmal, das tief berührt. Es ist das Mahnmal für den 18jährigen Schüler Peter Fechter, der am 17. August 1962 bei einem Fluchtversuch über die Mauer von DDR-Grenzposten niedergeschossen wurde. Eine dreiviertel Stunde blieb er schwerverletzt an der Mauer liegen, ohne dass ihm geholfen wurde. Erst danach transportierten ihn DDR-Grenzposten ab. Die Nachrichtenagentur der DDR (ADN) meldete wenige Stunden später, der „Verbrecher“ sei in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.
Und beim Schreiben dieser Zeilen kommen mir die Worte von Reiner Kunze in den Sinn, der in seinem Band Am Sonnenhang schreibt:
Niemand ist dagegen gefeit,
im Namen von Idealen verführt zu werden.
Und alle tun wir irgendwann Unrecht.
Schwer entschuldbar sind einzig die Lüge von heute
und der Wunsch, dass jene Verhältnisse wiederkehren,
die so viele Menschen haben schuldig werden lassen.
(Reiner Kunze, Am Sonnenhang, 1992)


Foto und Text: Hubertus Hierl