Wer ist jener Mann mit dem selbstbewussten Blick neben Pablo Picasso? Sein Leibwächter? Nein, es ist kein geringerer als Eugénio Arias, einer der ganz wenigen engen Vertrauten von Picasso. Hier begleitet er den 85jährigen gerade nach einem Stierkampfbesuch in Fréjus (7.8.1966) zum Auto. Arias ist sich seiner bevorzugten Rolle sehr wohl bewusst.
Wer ist Arias? Zunächst Spanier – wie Picasso selbst. Und dann Friseur – nicht irgendein Friseur, Picassos Friseur – und schon zu Lebzeiten eine Legende!
Francoise Gilot, Picassos Lebensgefährtin von 1943–1953, schreibt in ihrem Buch Leben mit Picasso, dass Picasso sich nur von Arias die Haare schneiden ließ und niemand erfuhr – selbst sie nicht – was mit Picassos Haaren geschah. Picasso muss panische Angst davor gehabt haben, dass seine Haare in „böswillige Hände von Spezialisten für Schwarze Magie und Voodoo fielen“, schreibt Olivier Widmaier-Picasso, ein Enkel Picassos, in seinem Buch „Picasso – Porträt der Familie“.
Seinem Friseur Arias vertraute Picasso, und Arias wurde für seine Dienste fürstlich entlohnt: Picasso bezahlte nicht mit Geld, er entlohnte mit Ware – und was für einer Ware! Mit Bildern, Zeichnungen, Keramiken. Am Ende konnte Arias gar ein kleines Museum damit ausstatten, in Buitrago del Lozoya, seinem Geburtsort, einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Madrid gelegen. Und dem Museum vermachte schließlich Arias auch all diese Schätze.
Nun, vor ein paar Jahren begegne ich dem neunzigjährigen Arias nach fast 40 Jahren wieder. Ich treffe ihn anlässlich meiner Ausstellung „Picasso beim Stierkampf“ im südfranzösichen Mougins, Picassos letztem Wohnort. Voller Stolz erzählt mir Arias, dass er es war, der zusammen mit Jacqueline (Picassos Ehefrau) über den verstorbenen Picasso eine schwarze spanische Capa, einen schwarzen Umhang, legte.
Ich packe die Gelegenheit beim Schopf und stelle Arias die uns alle so tief bewegende Frage: „Was geschah mit Picassos Haaren?“ Arias erzählt mir, dass die Haare feinsäuberlich in eine Schatulle kamen. Was dann weiter mit den Haaren passierte, wusste auch Arias nicht – oder wollte er es für sich behalten?
Des Rätsels Lösung finden wir in Olivier Widmaier-Picassos Buch: Demnach schickte Picasso regelmäßig an seine frühere Geliebte Marie-Thérèse Walter abgeschnittene Fingernägel oder Haare. Nach ihrem Tod 1977 fand man diese Reliquien – sorgsam in Seidenpapier aufbewahrt.

Foto und Text: Hubertus Hierl