Dies ist kein Oldtimer-Treffen, auch wenn sich der Eindruck aufdrängt. Wir befinden uns mitten in Prag auf dem Wenzelsplatz im Frühjahr 1965. Ich bin dort unterwegs zusammen mit einem Redakteur einer süddeutschen Zeitung, um eine „Momentaufnahme“ von dieser Stadt abzuliefern.
Zwei Welten stoßen hier auf dem Bild aufeinander: Der legendäre Mercedes 300 SL aus dem Westen, zur damaligen Zeit eines der begehrtesten Modelle, das sich auf vier Rädern fortbewegte – nicht für jedermann erschwinglich, sondern nur für einige wenige Erdenbürger. Ihm gilt auch die ganze Aufmerksamkeit der umstehenden Passanten, die das Gefährt bewundern wie ein Juwel von einem anderen Stern.
Linker Hand ebenfalls ein Gefährt auf vier Rädern, diesmal sozialistischer Herkunft, wahrscheinlich tschechischer Provenienz. Es erinnert an die Anfänge des Automobilbaus und sagt so manches über den Zustand des Sozialismus im Ostblock aus. Keiner der Passanten nimmt davon Notiz – wen wundert es?
Das Bild erschien großformatig in der Zeitung. Symbolcharakter wurde ihm zugeschrieben: Hier der wirtschaftlich erfolgreiche Westen, dort der rückständige sozialistische Osten.

Foto und Text: Hubertus Hierl