Eine Stunde Picasso ist wie ein ganzes Leben
Hubertus Hierls Begegnung mit dem großen Künstler vermittelt ein lebendiges Bild
"Ein Tag mit Picasso" heißt die imposante Schau, die derzeit im Haus der Fotografie zu sehen ist. In Wirklichkeit hat Hubertus Hierl den Künstler nicht viel länger als eine Stunde vor der Kamera gehabt. Beeinflusst hat die Begegnung in der Stierkampfarena aber Hierls ganzes Leben.
Der heute 61-jährige Landshuter hat an jenem 7. August 1966 ein einmaliges Dokument geschaffen vom wohl größten Künstler des 20. Jahrhunderts: Picasso pur mit all seinen Emotionen. Erstmals sind die Bilder in dieser Vollständigkeit zu sehen - rechtzeitig zum 120. Geburtstag des Künstlers am 25. Oktober.
Dass dem Stierkampf Picassos ganze Leidenschaft galt, dass er dabei alles um sich vergaß, ist auf Hierls Bildern spürbar. In geschickter Dramaturgie wechselt die Kamera den Blick von der Arena auf Picassos Gesichtsausdruck - immer wieder. Der Torero schwingt die Kappa, Picasso fixiert die Szenerie. Der Torero setzt zum finalen Stoß an, Picasso springt auf, zieht den dunklen Strohhut vom Kopf. Etwas verlegen senkt er den Blick, als ihm der siegreiche Matador den Stier widmet.
Wie sensibel der hochbetagte Künstler reagierte, zeigt der dramatische nächste Kampf: Der Stier nimmt seinen menschlichen Gegner auf die Hörner, verletzt ihn schwer. Das bestürzte Gesicht Picassos ist Hierls berühmteste Aufnahme.