Paris, Herbst 1964. Ich steige von Montmartre herab, nicht über die vielen Treppenstufen, die ich hinaufstieg, sondern wähle den Weg über die Rue Lepic. Was für eine Straße! Zur Rechten die Moulin de la Galette, die Manet, Degas und Toulouse Lautrec und andere Maler des Impressionismus zu so traumhaften Bildern inspirierte. Vorbei an dem Haus Nr. 54, wo van Gogh wohnte und sein Atelier hatte. Viele Künstler wohnten in dieser kurvigen Straße, die Reihe ließ sich fortsetzen.
Weit unten verlasse ich die Rue Lepic und schlage die Richtung ein, die zum Montmartre-Friedhof führt. Als ich über die lange Brücke gehe, die über einen Teil des Friedhofs führt, entdecke ich von oben aus jenen älteren Herrn, der ehrfurchtsvoll und mit Bedacht Blumen auf ein Grab niederlegt.
Zu Hause entdecke ich dann, dass die Blumen für Jean, Lucien und Sacha Guitry bestimmt sind – alle namhafte Künstler: Jean Guitry ein bekannter Schriftsteller, Lucien Guitry ein berühmter Schauspieler. Sein Sohn Sacha ist Schauspieler, Filmregisseur und Dramatiker - ein Multitalent. Von ihm stammt auch das geflügelte Wort: „Das Fatale am Paradies ist, dass man es nur mit dem Leichenwagen erreichen kann.“

Foto und Text: Hubertus Hierl