HUBERTUS HIERL
Fotografien

Bildergalerie

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Picasso beim Stierkampf

Am 7. August 1966 gelang es dem Fotografen Hubertus Hierl im südfranzösischen Fréjus 100 Porträtaufnahmen von Pablo Picasso zu machen - die umfassendste und zugleich auch letzte ausführliche Dokumentation Picassos in der Öffentlichkeit. Keinem anderen Fotografen gelang es, eine so dichte Folge von Life-Fotografien von Picasso aufzunehmen. Die Fotografien zeigen Picasso in einem Umfeld, dessen Thematik ihn Zeit seines Lebens beschäftigte: dem Stierkampf. Es kommt auf den Bildern zum Ausdruck, wie Picasso mit den Akteuren mitlebt und mitfühlt und von dem Geschehen zutiefst ergriffen ist.

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Picasso und Arias

Fréjus – 7. August 1966: Der junge Fotograf Hubertus Hierl entdeckt während eines Stierkampfes im südfranzösischen Fréjus Pablo Picasso mit seiner Frau Jacqueline unter den Zuschauern. Ein Glücksfall: Picasso gibt dem Fotografen zu verstehen, dass er einverstanden ist, fotografiert zu werden. Es entsteht die umfangreichste Bilderfolge, die Picasso in einem Umfeld zeigt, das Zeit seines langen Lebens zu seinem großen Thema gehört: dem Stierkampf. Zugleich ist es die letzte umfangreiche Dokumentation Picassos in der Öffentlichkeit. Ein Mann mit weißer Schirmmütze bahnt Picasso beim Verlassen der Arena den Weg durch das Gedränge: Es ist Arias, Picassos Friseur und enger Vertrauter. Hubertus Hierl hält mit seiner Kamera das Geschehen in einer Bilderfolge fest, bis Picasso den Wagen zur Abfahrt besteigt. Das Buch zeigt in zahlreichen Bildern diese Begegnung Picasso und Arias. Die herzliche Verbindung zwischen ihnen kommt auf den Bildern deutlich zum Ausdruck: Arias schirmt Picasso beim Verlassen der Arena vor den Umstehenden ab – ganz unauffällig hält er den 85-jährigen Picasso am Arm und stützt ihn – Picasso flüstert Arias ins Ohr. Rafael Inglada von der Fundación Picasso, Museo Casa Natal, Malaga, zeigt die Stationen auf, die zur Freundschaft Picassos mit Arias führten. Inglada schreibt: „Picasso fand in Arias einen Verbündeten, einen Vertrauten, der ihm nichts abverlangte, der treu war und zudem größtmögliche Diskretion wahrte.“

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Marcel Marceau - Kunst der Stille

Marcel Marceau – eine Legende bereits zu Lebzeiten. Er war einzigartig und sein Name steht für die Kunst der Pantomime. Anlässlich eines Auftritts in Regensburg im Sommer 1967 gibt Marcel Marceau dem Fotografen Hubertus Hierl die Gelegenheit, ihn aus allernächster Nähe zu fotogra eren. „Sie haben drei Minuten Zeit“, sagt er und gibt dem Fotografen ganz schnell eine Sondervorstellung. Nach diesen paar Minuten sind zwei Filme belichtet mit Momentaufnahmen aus seinem reichen Repertoire. Die Gunst der Stunde: Der Fotograf Hubertus Hierl ist Marcel Marceau ganz nah mit seiner Kamera, mittendrin im Geschehen und kann so Marcel Marceau aus allernächster Nähe beobachten und im Bild festhalten. Eine weitere Bilderserie entsteht nach der Vorstellung, als Marcel Marceu Autogramme gibt. Diese Folge wird hier in voller Länge gezeigt – sagt sie doch viel über den Menschen Marcel Marceau aus.

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Hermann Nitsch

Hermann Nitsch, 1938 in Wien geboren, gilt als einer der wichtigsten Aktionskünstler in den Sechziger Jahren – als Bürgerschreck verschrien – brachten ihn seine öffentlichen Malaktionen mehrmals ins Gefängnis. Dies ist alles nun Geschichte. 2005 erhält der einstige Bürgerschreck den „Großen Österreichischen Staatspreis für bildende Kunst“. Heute wird Hermann Nitsch weltweit gefeiert.

In München inszeniert Hermann Nitsch 2011 an der Bayerischen Staatsoper Olivier Messiaens Saint Francoise d‘Assise. Aus diesem Anlass findet auch in der Galerie Thomas Modern eine Ausstellung mit seinen Werken statt. Vor der Vernissage am 29. Juni 2011 stellt sich Hermann Nitsch den Fragen der Kunsthistorikerin Anke Humpeneder-Graf. In dem Gespräch bringt Hermann Nitsch zum Ausdruck, „Ich wollte mein ganzes Leben anständige und intensive Kunst machen“. … „Schauen Sie, ich habe nie provozieren wollen, ich wollte immer Intensität mit meiner Kunst …“.

Bei diesem Interview ist auch der Fotograf Hubertus Hierl anwesend. Die Bilderfolge, die während dieser kurzen Zeit entsteht, ist ein Glücksfall: Die Fotografien zeigen Hermann Nitsch in unwiederbringlichen Life-Fotografien: Er ist ganz bei sich, nichts lenkt ihn ab. Kein Bild ist inszeniert, nichts ist gestellt. Wir erleben Hermann Nitsch ganz nah und authentisch.

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Menschen in Paris

Diese Galerie enthält 207 Schwarz-Weiß- und 5 Farb-Fotografien des Fotografen Hubertus Hierl, die bei Parisreisen in den 60er und frühen 70er Jahren entstanden sind. Dabei interessieren den Fotografen in erster Linie die Menschen in dieser Stadt, die er in ungestellten Life-Fotografien im Bild festhält. Die Fotografien spiegeln ein Paris wider, das es so heute nicht mehr gibt.

Inhalt:
Von den Champs-Elysées zum Louvre und zur Kathedrale Notre Dame – Im Viertel der Markthallen – Beim Eiffelturm – Auf dem Montmartre – Der Montmartre und seine Clochards – Rue Saint-Vincent – Die Kinder vom Montmartre – Rue Lepic – Marché aux Puces – Wer ist die schönste von Paris ( Katzenprämierung) – Beim Schloss zu Versailles – Jugend in Saint-Germain-des-Prés – Im Caveau de la Huchette – Wenn es Nacht wird in Paris – Striptease am Pigalle – Die Liebenden vom Café Slavia – Die Puppen vom Pigalle In den Folies Bergère – Zu später Stunde – Auf dem Friedhof Père Lachaise

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Damals auf Montmartre

Montmartre in den Sechzigern – ein Montmartre, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Es sind die Menschen, die Gesichter, die den Fotografen interessieren und die er in Life-Fotografien einfängt. Die Bilder vermitteln einen Eindruck von dem Lebensgefühl damals auf Montmartre.

Inhalt:
Place du Tertre – Rue Saint Vincent – Die Kinder von Montmartre – Rue Lepic – Der Montmartre-Friedhof – Pigalle, Pigalle – Die Liebenden vom Cafe Slavia – Die Puppen vom Montmartre – Zu später Stunde

Damals in Saint-Tropez

Saint-Tropez – August 1966. Der Fotograf Hubertus Hierl ist unterwegs in Südfrankreich, um das bunte und schrille Treiben der jungen Leute an der Côte d'Azur im Bild festzuhalten. Eine Station seiner Reise ist Saint- Tropez, Anziehungspunkt vieler Menschen aus aller Welt. Saint-Tropez steht für schöne Menschen, schöne Autos, schönes Leben. Hier trifft sich der internationale Jetset. Soviel Glamour zieht auch viele junge Leute an, um ungezwungene Tage dort zu verbringen. Am Hafen – wo die Luxus-Yachten anlegen – findet man sich spätnachmittags wieder ein, um zu sehen und gesehen zu werden. Welch eine Bühne! Junge Künstler sind hier zu Werke – ihr exklusives Outfit kündigt die Flower-Power-Zeit bereits an. Musiker, Jongleure und Artisten zeigen ihr Können und jedes Mittel ist recht, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Life-Fotografien in schwarz-weiß geben einen Einblick in diese Zeit und das Lebensgefühl Mitte der Sechziger Jahre in Saint-Tropez. Die Flower-Power-Zeit kündigt sich schon an.

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Im Land der Griechen

Im September 1962 fährt der Student Hubertus Hierl mit dem Zug von München aus nach Griechenland. Fünf Wochen ist er im Land unterwegs. Von Thessaloniki im Norden reist er per Bahn, Bus, Schiff und Anhalter bis Mykonos und Delos. In der Reisetasche nur das Allernotwendigste, in der Fototasche die Leica und eine Anzahl Filme.
Während dieser Reise entstehen Bilder in stillen Gassen, lärmenden Markthallen, antiken Ausgrabungsstätten und üppigen Olivenhainen. Die Vorliebe des Foto-grafen gilt jedoch den Menschen in diesem Land, das damals noch zu den ärmsten Ländern in Europa zählte. Zugleich zeigen die Bilder auch ein Griechenland, wie es heute so nicht mehr existiert.
Die unvermutete, wie mit einer bewegten Filmkamera im Vorübergehen festgehaltene Lebensschönheit macht die fotografische Kunst von Hubertus Hierl unmittelbar verständlich und zugleich so konsequent modern, dass sie zeitlos gültig ist.

Reise nach Prag

Mitten im Kalten Krieg – im Frühjahr des Jahres 1965 – reist der Fotograf Hubertus Hierl zusammen mit einem Redakteur einer Regensburger Tageszeitung nach Prag, um eine „Momentaufnahme“ der Stadt hinter dem Eisernen Vorhang zu machen. Die vorliegende Publikation gibt die Eindrücke wieder, die er mit seiner Leica-Kamera dort einfängt: die Passanten in den Straßen und auf dem Wenzelsplatz oder die Musiker auf der Karlsbrücke. Ziel ist auch die Josefstadt mit dem Alten Jüdischen Friedhof. Am Abend mischt er sich mit seiner Kamera im Künstlercafe Viola unter die jungen Intellektuellen Prags, die von einer Öffnung des Landes träumen. Weit über den damaligen Auftrag hinaus entsteht in der Situation des politischen Vorfrühlings eine Bilderserie von großem Symbolwert: ein Stimmungsbild einer zeitgeschichtlichen Ausnahmesituation, ehe sich die Augen der Weltöffentlichkeit drei Jahre später auf die grausame Niederschlagung des Prager Frühlings richten sollten.

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Wonderful Copenhagen

Kopenhagen – August 1965. Der Fotograf Hubertus Hierl unterwegs in Kopenhagen. Jugend in Kopenhagen will er fotografieren. Ein Platz mit einem großen Brunnen im Universitätsviertel wird ihm genannt. Hier trifft sich die Jugend. Er macht sich auf den Weg dorthin. Und hier an dem Brunnen begegnet er erstmals diesen jungen Leuten, die als Gammler herumlungern. Besondere Kennzeichen: jung, langhaarig, ungepflegt, gleichgültig gegenüber der Umwelt. Und sie laufen in verschlissenen, beschmierten Armee-Parkas herum, auf die sie ihre Proteste schreiben, was sie lieben, was sie hassen. Weitere Auffälligkeiten: Sie haben sich dem „aktiven Nichtstun“ verschrieben. Es gilt: Take it easy. Haben diese jungen Leute irgendwelche Vorbilder? Ja: Diogenes.

Der Fotograf mischt sich unter dieses bunte Volk und schon bald bemerkt er, dass niemand etwas dagegen hat, wenn er die Kamera auf sie richtet. Es entsteht eine umfangreiche Bilderfolge, die die Szenerie an diesem Platz festhält, die so charakteristisch ist für diese jungen Leute Mitte der Sechziger Jahre.

Der letzte Morgen in Paris

Eine Geschichte in Bildern: Paris Oktober 1964 – Eine junge Paris-Besucherin erwacht in ihrem Hotelzimmer, der letzte Morgen vor der Abreise ist angebrochen. Nachdenklich und verträumt kreisen die Gedanken um die Erlebnisse und Eindrücke der vergangenen Tage, Erinnerungen werden wach: der Montmartre mit seinen Malern und Clochards auf der Place du Tertre – die bezaubernden Gassen auf dem Hügel – der einzigartige und unvergessliche Blick auf das Häusermeer von Paris – die Place de la Concorde mit dem Verkehrstrubel – die Impressionisten im Jeu de Paume – die Spaziergänge in den Tuilerien – der Louvre mit seiner Mona Lisa und den griechischen und römischen Götterstatuen – die schönen Stunden in den Pariser Cafés – Notre Dame mit ihren Chimären hoch oben auf der Turmbrüstung – der Eiffelturm natürlich – und die langen Nächte in Saint-Germain-des-Prés und in einem Existenzialisten-Keller in der Rue de la Huchette. Vorbei der Traum: eine letzte Zigarette noch – letzte Blicke aus dem Fenster – schnell noch ein letztes Foto mit dem Fotografen …

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Damals in Schwabing

Der Bildband zeigt Fotografien von Hubertus Hierl aus dem Schwabing der 60er Jahre. Für den Fotografen ist Schwabing ein großes Studio, in dem er all die Akteure in Life-Fotografien auf dem Film festhält.
An der Ludwig-Maximilians-Universität begegnen wir bei Lesungen den Schriftstellern Werner Bergengruen, Günter Eich und dem Komponisten Carl Orff. Vom Siegestor zur Münchner Freiheit spannt sich ein großer Bilderbogen, wie er in dieser Vielfalt typisch für das damalige Schwabing ist. Weitere Schwerpunkte bilden u.a. Studentenfasching in Schwabing, Musiker im Jacaranda, Studio Schwabing, im Englischen Garten und das Happening Die Resozialisierung eines Gammlers – 1967, anlässlich der Eröffnung des Drugstore in der Feilitzschstraße.
Anke Humpeneder-Graf M.A. schreibt in ihrer Einführung: „So begegnen uns die Fotografien von Hubertus Hierl wie kleine Zeitkapseln, die vor unseren Augen eröffnet werden. Sie zeichnen uns heute – im Abstand von über 50 Jahren – ein Bild von der Ernsthaftigkeit der Protestbewegung ihrer Jugend, zwischen Vorlesung und Straßencafe, Jazzkneipe und Künstlermarkt und all den anderen Geschehnissen am Straßenrand, in einer atmosphärischen und topographischen Detailfülle – als Amalgam aus Erinnerungen, dem die schwarzweißen Bilder einen farbigen Anstrich verleihen.“

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Ricarda

25. Juni 1967. Ein warmer Junimorgen kurz nach Sonnenaufgang. Der Fotograf Hubertus Hierl unterwegs mit Ricarda zu Fotoaufnahmen im Englischen Garten in München und im Isartal. Für eine Zeitschrift werden Bilder benötigt zum Thema „Jugend 67“. Bei dem milden Licht eines frühen Sommertages will er Ricarda fotografieren, nicht bei dem grellen Sonnenlicht am Nachmittag. Ricarda – jung, hübsch, fotogen, geduldig. Eine ganze Bilderstrecke entsteht in diesen frühen Morgenstunden.
Die Bilder spiegeln die natürliche Ungezwungenheit und Frische dieser jugendlichen Schönheit wider.
Der Tag, an dem all diese Bilder entstehen, ist kein gewöhnlicher Tag: Am Abend wird im Fernsehen der neue Hit der Beatles All you need is love ausgestrahlt. Es ist die erste weltweit gesendete Live-Fernsehproduktion, die über 400 Millionen Menschen sehen.
Dr. Konrad Maria Färber schildert in seinem Vorwort Begebenheiten aus Ricardas Leben in der Zeit der Sechziger und gibt zugleich Einblick in dieses markante Jahrzehnt mit den Schwabinger Krawallen, den Beatles, Adenauers Rücktritt, dem Oberhausener Manifest, der Gruppe 47, den Achtundsechzigern und der APO.

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Arbeitet, lernt und lebt sozialistisch!

Der Bildband Arbeitet, lernt und lebt sozialistisch! zeigt Fotografien von Hubertus Hierl. 1960 ist der 19-jährige Gymnasiast Teilnehmer einer Klassenfahrt nach Berlin. Ihm bietet sich die Gelegenheit, am 1. Mai bei der großen Maidemonstration in Ost-Berlin mit seiner Leica dabei zu sein. Dabei entstehen beeindruckende Aufnahmen. Namensgebend für diese Dokumentation ist das Foto einer Gruppe von Männern und Frauen, die ein Transparent mit der Parole tragen: Arbeitet, lernt und lebt sozialistisch!
Die Fotos Mauer und Stacheldraht entstehen 1967 anlässlich einer Reportage über die Berliner Mauer.
Die Dokumentation gliedert sich in 3 Teile:
1. Durch die Zone nach West-Berlin im Jahr 1960
2. Maidemonstration am 1. Mai 1960 in Ost-Berlin3. Mauer

Kinder in Griechenland

Unter dem reichen Fundus seiner Griechenland-Fotografien, die Hubertus Hierl 1962 bei seinem Aufenthalt in Griechenland aufnehmen konnte, fallen die zahlreichen Kinder-Fotografien ins Auge. Immer wieder waren es die Kinder, die die Aufmerksamkeit des Fotografen erregen: die Hirtenjungen beim Kartenspielen in der Bergwelt von Meteora, die Schuhputzerjungen in Piräus oder die Kinder in den weißen Gassen von Mykonos … Alle Bilder sind Life-Fotografien, nichts wurde gestellt, nichts wurde unszeniert. So vermitteln die Bilder einen Einblick in ein Land, das damals noch zu den ärmsten in Europa zählte.

Große Maidemonstration in Ost-Berlin

Die Fotografien von Hubertus Hierl zeigen eindrucksvoll das Geschehen während der Großen Mai-Demonstration in Ost-Berlin am 1. Mai 1960.
Der 1. Mai war ein alljährlicher Massenkult für Huldigungen „Der da unten“ für „Die da oben“. Er wurde angeordnet, hochorganisiert durchgeführt und wurde mit einem gigantischen Aufwand zunehmend zum Disziplinierungs- Kontroll- und öffentlichen Überwachungsinstrument der Machtorgane des SED-Regimes. Nach dem ursprünglichen Sinn sollte der 1. Mai für „Entmilitarisierung“ eintreten. Es galt die Forderung: „Sozialistisch arbeiten, sozialistisch lernen und sozialistisch leben“.
Jede Maikundgebung war eine „Heerschau der Kraft- und Kampfentschlossenheit der Arbeiterklasse“. Dazu gebrauchte und missbrauchte man die begeisterungsfähige Jugend, die mit dunkelblauen Röcken, weißen Nylonblusen und blauen Halstüchern eingekleidet wurde. Die Freie Deutsche Jugend (FDJ) sollte die beste „Kampfreserve“ der SED sein.
Der „Proletarische Internationalismus“ wurde allerorts demonstriert. Das „Welt-Proletariat“ unter der Führung Moskaus wurde stets auf Plakaten und in Losungen zum Ziel gesetzt. „Brüderliche Grüße“ an die Adresse der KPdSU (Bolschewiki) waren ein „kommunistisches Gebet“. Die DDR schrieb sich auf die Fahnen: „Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen.“

Dagmar, Rotraud und Ricarda

Bilderfolgen von drei Studentinnen in den Sechziger Jahren.
Dagmar: Mit Dagmar, Studentin der Psychologie, unterwegs im Münchner Künstlerviertel Schwabing und im Englischen Garten.
Rotraud: Im Oktober 1964 begleitet der Fotograf Hubertus Hierl die Anglistik- und Romanistik-Studentin Rotraud bei etlichen Streifzügen durch Paris, das Paris der Sechziger, noch das alte Paris.
Ricarda: 25. Juni 1967. Ein warmer Junimorgen kurz nach Sonnenaufgang − unterwegs mit Ricarda zu Fotoaufnahmen im Isartal südlich von München. Ricarda – jung, hübsch, fotogen. Eine ganze Bilderstrecke entsteht in diesen frühen Morgenstunden. – Es ist kein gewöhnlicher Tag: Am Abend wird im Fernsehen der neue Hit der Beatles All You Need Is Love ausgestrahlt. Es ist die erste weltweit gesendete Live-Fernsehproduktion, die von über 400 Millionen Menschen gesehen wird.

Vor 68

Die 60er Jahre – ein bewegtes Jahrzehnt. Das Buch setzt Mitte der Sechziger Jahre an. In zahlreichen Life-Fotografien des Fotografen Hubertus Hierl wird etwas spürbar vom Lebensgefühl der jungen Leute in den Jahren 1965 – 1966 – 1967, also vor dem bedeutungsträchtigen Jahr 1968. Die Bilder zeigen auch die allmähliche Veränderung, vor allem im Leben der Jugendlichen, und verdeutlichen das neue Selbstverständis, das sich ab der Mitte der Sechziger Jahre vollzog.
Prägend für diese Zeit: Die Beatles und Rolling Stones feiern immer größere Triumphe – das Gammlerwesen entsteht als Protest gegen die Elterngeneration und die Leistungsgesellschaft. Der Minirock – prägend für diese Zeit und prägendes Beispiel für die Popkultur und die Kleidermode der Jugend, Zeichen neuen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins.
Die Life-Fotografien aus Kopenhagen, Saint-Tropez und München-Schwabing vermitteln ein anschauliches Bild aus der Mitte der Sechziger Jahre mit all den sich anbahnenden Veränderungen im Leben der jungen Leute. Nachhaltige Veränderungen auch in der Kleidermode. Die Bilder mit Ricarda im Minikleid – vor einigen Jahren noch undenkbar, dann eine Selbstverständlichkeit.

Happening Drugstore

München – Schwabing – Wedekindplatz – 15. Juli 1967: Plakate kündigen die Eröffnung des Drugstore an mit einem Happening: Resozialisierung eines Gammlers. Ich fahre hin.
Dichtes Gedränge am Wedekindplatz und in den angrenzenden Straßen – die Gegend übervoll mit jungen Leuten, es gibt kaum ein Durchkommen. Sie alle warten auf das groß angekündigte Happening: Resozialisierung eines Gammlers
Die vielen Neugierigen – alle in Erwartung, was da kommt und gespannt auf das Spektakel. Ich mische mich unter dieses bunte Treiben und halte mit meinen beiden Leicas die Szenerie im Bild fest: ein junger Bursche mit John-Lennon-Brille, ein weiterer mit langer Mähne und Army-Jacke mit Peace-Zeichen am Ärmel, daneben eine junge Frau im Flower-Power-Look.
Eine Badewanne aus Blech steht bereit und tatsächlich entledigt man einen jungen Gammler seiner zerschlissenen und beschmierten Klamotten, steckt ihn in die Wanne, wäscht ihn von Kopf bis Fuß, verpasst ihm einen zivilisierten Haarschnitt, ein weißes Hemd mit Krawatte und einen Anzug. Aus dem ungepflegten Gammler wird im Nu ein fesch gekleideter junger Mann – Kleider machen Leute.

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Jana und Pavel – Eine Liebe in Prag

Frühjahr 1965. Reise nach Prag – Der Fotograf Hubertus Hierl und ein Redakteur einer Regensburger Tageszeitung sollen eine „Momentaufnahme“ aus Prag liefern – der eine in Wort, der andere in Bild. Es ist die Zeit des Kalten Krieges. Drei Jahre zuvor gab es die Kuba-Krise, drei Jahre später wird es den Prager Frühling geben, den die Panzer des Warschauer Paktes niederwalzen werden. Es entsteht eine eindrucksvolle Bilderserie. Abends führt der Weg ins Viola, eines der wenigen Künstlerlokale im damaligen Prag, durchaus verwandt mit Schwabinger Künstlerkneipen. An den Wänden abstrakte Bilder – keine Spur von sozialistischem Realismus. Junge Künstler und Intellektuelle treffen sie hier an, alles Leute halt, die die Segnungen des real existierenden Sozialismus insgeheim längst satt haben. Hier begegnen die beiden Jana und Pavel – jung, verliebt. Sie erzählen ganz ungeniert, wie hoffnungslos ihre Lage in der kommunistischen Tschechoslowakei ist: „Wir sind eingesperrt! Und überall die Angst vor Spitzel!“ Reisen möchten sie ganz einfach, wohin sie gerne wollen: nach Paris, nach Amsterdam oder nach London. Hubertus Hierl beobachtet Jana und Pavel mit seiner Kamera und hält diese Begegnung in einer umfangreichen Bilderfolge fest.

Fritz Koenig und der weiße Pfau

Fritz Koenig und der weiße Pfau

Am 7. August 1966 gelang es dem Fotografen Hubertus Hierl im südfranzösischen Fréjus 100 Porträtaufnahmen von Pablo Picasso zu machen - die umfassendste und zugleich auch letzte ausführliche Dokumentation Picassos in der Öffentlichkeit. Keinem anderen Fotografen gelang es, eine so dichte Folge von Life-Fotografien von Picasso aufzunehmen. Die Fotografien zeigen Picasso in einem Umfeld, dessen Thematik ihn Zeit seines Lebens beschäftigte: dem Stierkampf. Es kommt auf den Bildern zum Ausdruck, wie Picasso mit den Akteuren mitlebt und mitfühlt und von dem Geschehen zutiefst ergriffen ist.